Wenn dem Plattenspieler Flügel wachsen: Große Meister – Kleine Stücke

Platten-Tipp: Große Meister – Kleine Stücke, clearaudio LP 83044, 29,- Euro

Klavier-Platten der Deutschen Grammophon sind eigentlich immer eine feste Bank. Und wenn Heinz Wildhagen der Tonmeister war, dann ist die Aufnahmequalität vom Feinsten. Und wenn dann auch noch clearaudio die Platte als Neupressung auf schwerem 180-Gramm-Vinyl vorlegt, dann stimmt auch die Pressqualität. Und so liegt denn gerade mit „Große Meister – Kleine Stücke“ eine Scheibe auf meinem Innovation-Laufwerk, die wahrlich prächtig ist. Nicht zuletzt natürlich wegen der „großen Meister“: Immerhin gleich sieben der weltbesten Pianisten kommen zu Gehör. Besonders erfreulich, dass neben den Großmeistern Askenase, Barenboim, Kempff, Richter und Weissenberg auch zwei Frauen auf der Platte Berücksichtigung fanden: Die heute in Argentinien lebende Pianistin Martha Argerich ist eigentlich erst in den letzten Jahren mit der Verleihung des ECHO im Jahr 2014 international in die erste Riege der Klaviervirtuosen aufgenommen worden. Die Französin Monique Haas hat über lange Jahre vor allen Dingen die Debussy- und Ravel-Tradition der Deutschen Grammophon bereichert. Hier ist sie einmal nicht mit einer Interpretation der Romantik, sondern mit einer Sonate von Scarlatti vertreten. 

Die Auswahl der „kleinen Stücke“ ist äußerst abwechslungsreich geraten. Vom verzückt-lieblichen Lisztschen Ohrenschmalz „Liebestraum“ über das expressive und furiose Feux d’artifice von Claude Debussy bis zu zwei mächtigprächtigen Präludien Rachmaninows. Sicherlich wird jeder Hörer seine eigenen Favoriten heraushören. Mir sagen zum Beispiel die eigenwilligen Transkriptionen kammermusikalischer Pretiosen Wilhelm Kempffs besonders zu. Bachs sizilianische Flötensonate in der Kempffschen Fassung für den Flügel wird zwar heute nicht selten gespielt, von ihm selbst interpretiert hatte ich es allerdings bislang noch nicht in meinem Plattenschrank. Das der alte Bach dieses Stück tatsächlich einst für Flöte und Cembalo geschrieben haben soll, mag einem gar nicht in den Kopf gehen. Aber wie gesagt: unter den 16 auf dieser Platte versammelten „kleinen Stücken“ einen Favoriten zu küren, ist schlichterdings nicht möglich. Aber wir hören ja auch keine Einzelstücke auf MP3, sondern die ganze Platte … 😉  

Die Musiker

  • Martha Argerich, Klavier
  • Stefan Askenase, Klavier
  • Daniel Barenboim, Klavier
  • Monique Haas, Klavier
  • Wilhelm Kempff, Klavier
  • Swjatoslaw Richter, Klavier

Inhalt

Seite A

  • 1. Martha Argerich: Maurice Ravel. Jeux d’deau   5:27
  • 2. Martha Argerich: Frédéric Chopin. Prélude Des-dur  op. 28 Nr. 15   4:51
  • 3. Stefan Askenase: Frédéric Chopin. Berceuse Des-dur op. 57  4:52
  • 4. Stefan Askenase: Bed_ich Smetana. Slepi_ka   3:02
  • 5. Stefan Askenase: Franz Liszt. Liebestraum Nr. 3   4:46
  • 6. Daniel Barenboim: Felix Mendelsohn. Frühlingslied op. 62 Nr. 6   2:08
  • 7. Daniel Barenboim: Felix Mendelsohn. Spinnerlied op. 67 Nr. 4   1:54

Seite B

  • 1. Monique Haas: Claude Debussy: Feux d’artifice Préludes II Nr. 12   4:11
  • 2. Wilhelm Kempff: Johann Sebastian Bach. Siciliano BWV 1031 2. Satz   3:39
  • 3. Wilhelm Kempff: Georg Friedrich Händel. Menuett HWV 434 4. Satz   4:04
  • 4. Wilhelm Kempff: Christoph Willibald Gluck. Reigen seliger Geister (Orphée et Eurydice)   1:40
  • 5. Swjatoslaw Richter: Frédéric Chopin. Etüde C-dur op. 10 Nr. 12:04
  • 6. Swjatoslaw Richter: Frédéric Chopin. Etüde c-moll op. 10 Nr. 12   2:30
  • 7. Swjatoslaw Richter: Sergej Rachmaninow. Prélude g-moll op. 23 Nr. 5   3:41
  • 8. Swjatoslaw Richter: Sergej Rachmaninow. Prélude c-moll op. 23 Nr. 7   2:22
  • 9. Alexis Weissenberg: Domenico Scarlatti. Sonate E-dur K. 20   2:32  

 

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