Picture Disc – Musik für die Augen

Vinyl ist Kult. Die Schallplatte ist wieder da. Und zwar in allen Schattierungen. In allen Schattierungen von schwarz? Nein – in allen Farben. Tatsächlich profitieren nicht nur die Ohren von der aktuellen Renaissance der Schallplatte, sondern auch die Augen. Denn mit dem schwarzen Gold ist zur Freude der Sammler auch das bunte Vinyl. Und ich meine nicht nur die Colored Vinyl-Schätze, etwa die gelbe Mondfahrt von „Ihre Kinder“ und die vielen pinkfarbenen Platten von Elvis. Ich meine klingende Bilder – eine Picture Disc.

Picture Disc: Das klingende Bild

Picture Discs sind Schallplatten mit bunten Bildern auf dem Vinyl. Dabei werden im Presswerk Klebefolien über einen Stempel auf die warme Vinyl-Masse gepresst. Der Stempel ist ein fester Bestandteil des Pressautomaten, nur die überstehenden Pressrückstände müssen zumeist von Hand entfernt werden. Das Verfahren verzögert die Produktion der Schallplatte erheblich. Mehr als 60 Exemplare einer Picture Disc können pro Minute nicht hergestellt werden. Auch aus diesem Grund sind Picture Discs in der Regel nur in begrenzter Auflage verfügbar.

Die akustische Qualität derart bedruckter Scheiben ist in der Regel nicht so gut wie diejenige einfarbiger Platten. Schönheit gibt es eben nicht umsonst. Aber solche Picture Discs sind auch nicht nur Hörobjekte, sondern Sammlerstücke. Als Sammelobjekte sind solche Scheiben schon recht lange in Verkehr. Die ersten bedruckten Schallplatten erschienen vor mehr als 100 Jahren in den USA. In Deutschland hat übrigens Goebbels mit seinem Propagandaministerium mit „Fotoschallplatten“ experimentiert. Platten mit dem Portrait Adolf Hitlers sollten für Stimmung auf dem Plattenteller sorgen. Da ziehe ich einen rotierenden Elvis vor …

Eine letzte Blüte erlebte die Picture Disc dann nochmals in Deutschland: in den siebziger Jahren erschienen zahlreiche psychodelische Kraut-Rock-Platten mit bunten Bildchen auf dem Vinyl. In neuester Zeit aber kommt wieder vermehrt bedrucktes Vinyl auf den Markt. Dabei handelt es sich sowohl um blutige Neuware wie zum Beispiel Transilvanian Hunger von Darkthrone (bei Peaceville), als auch um eher blutleere Reissues wie Out Of The Blue vom Electric Light Orchestra (bei Epic). Beide Scheiben erscheinen im kommenden November.

Picture Disc ELOPicture Disc Darkthrone

Apropos Darkthrone: Metal-Freunde kommen zur Zeit besonders häufig in den optischen Genuss neuer Picture Discs. Ob die Freunde nicht mehr so gut hören und deshalb verstärkt auf ihre Augen angewiesen sind – ich weiß es nicht …
Ich sammle Picture Discs und andere seltsame Platten – zum Beispiel bespielte Röntgenbilder und nepalesische Briefmarken mit Volksmusik aus dem Himalaya – und möchte Euch einfach mal ein paar Scheiben aus meiner kleinen Sammlung vorstellen:

Musik für die Augen

picturedisc 01

Das ist nur das erste Beispiel für eine LP, die eben nicht einfach schwarz eingefärbt wurde, sondern aufwendig bedruckt. Es kommt gleich noch toller:

 

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Da ist dann auch noch die Musik gut.

Es gibt aber auch einen Kessel Buntes für die Opernfreunde:

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Oder wie wäre es mit dem King:

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Und weiter geht’s mit noch mehr Stimmschmalz:

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Und für die Freunde der Single gibt es kleine bunte runde Scheiben …

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… und eher eckige Kreise, hier mit Barclay James Harvest und den Victims of Circumstance, eine Scheibe, die eher zum Gucken, als zum Hören ist:

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Vom nächsten Schmankerl muss ich die A- und die B-Seite zeigen. Diese Platte ist NICHT für die Mikrowelle gedacht:

picture disc Miele

picture disc Miele

Miele wirbt hier mit für die damalige Zeit durchaus Avantgardistischem. Zu hören sind auf diesem Sampler unter anderem Mike Oldfield, Tangerine Dream und Jean-Michel Jarre mit dem berühmten „Oxygene“. Schade, dass es solche Werbung für Küchengeräte heute nicht mehr gibt …

Und zu guter Letzt, eine Platte, die nicht fehlen darf: Marilyn singt … äh … haucht hüllenlos:

picture disc Monroe

Und nein: die Rückseite zeige ich nicht.

Ihr habt auch Picture Discs in Eurer Sammlung? Dann zeigt sie uns doch. Der Clearaudio Blog freut sich über Eure Bildzuschriften. Einfach ein Mail senden: blog@clearaudio.de.

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