Eine Schallplatte als Briefmarke

Auf dem Zollamt:

Sammler: Ich habe hier einen Abholschein. Eine Sendung aus Belmont, Massachusetts, USA.

Zollbeamter: Ja, hier ist ein Umschlag für Sie. Würden Sie den bitte öffnen?

Sammler: Gerne. (packt einen weißen Karton aus, in dem sich sieben kleine bunte flexible Plastikscheiben befinden)

Zollbeamter: Ah ja. Was ist das denn?

Sammler: Das sind Schallplatten. Oder Briefmarken.

Zollbeamter: Ja was denn nun: Schallplatten oder Briefmarken?

Sammler: Briefmarken mit Ton drauf. Für den Plattenspieler.

Schallplatte Briefmarke

Zollbeamter: Das geht nicht.

Sammler: Doch, das geht. Also das klingt. Und in Bhutan kann man damit Briefe frankieren.

Zollbeamter: Und was machen wir jetzt? Briefmarken und Schallplatten haben verschiedene Mehrwertsteuersätze.

Sammler: Dann nehme ich den günstigeren von beiden.

Zollbeamter: Das geht nicht.

Sammler: Was geht dann?

Zollbeamter: Hören Sie sich die komischen Dinger an? Oder sammeln sie die?

Sammler: Ich höre sie mir erst an, dann sammle ich sie.

Zollbeamter: (ruft sichtlich irritiert und hilflos mit leicht verzweifeltem Blick nach hinten) Könnt Ihr mal kommen? Wir haben ein Problem.

Daraufhin versammelt sich ein halbes Dutzend Zollbeamte und Zollbeamtinnen um den Tisch. Und ein halbes Dutzend Zöllner blickt verwundert auf sieben kleine bunte runde Scheiben.

Der Chor der Zollbeamten: „Was ist das denn?“ „Hab ich noch nie gesehen.“ „Sind das Ohrringe?“

Zollbeamter: Der Mann sagt, das seien Schallplatten, die man in Bhutan als Briefmarken nutzt.

Der Chor der Zollbeamten: Das geht nicht.

Zollbeamter: Nehmen wir jetzt den Mehrwertsteuersatz für Briefmarken oder den für Schallplatten? Wer ist für Briefmarke? Wer ist für Schallplatte?

Bhutan BriefmarkeDer Chor der Zollbeamten stimmt per Handzeichen ab. Die Mehrheit votiert schließlich für Briefmarken. Da gilt der ermäßigte Steuersatz. Das war klug. Sonst hätte ich ihnen die Platten vorgespielt. Spätestens dann hätten sie mir wohl den günstigeren Markensammlersatz gegeben. In diesem Fall ist Sammeln nämlich sicherlich angenehmer als Hören. Denn es handelt sich um runde Briefmarken, Durchmesser 6,5 bis 10 Zentimeter, kunterbunt, herausgegeben von der Post des Königreichs Bhutan im Jahr 1972. Und was ist drauf?

Klingende Briefmarken – Schallplatten aus Bhutan

Klingende BriefmarkeDie klingenden Briefmarken aus Bhutan enthalten Musik und Sprachaufnahmen. Volksmusik, die Nationalhymne und erhellende Informationen über das Land im Himalaya. Die Platten/Marken sind auf jedem Schallplattenspieler mit 33 rpm abspielbar. Auf allen Scheiben ist der Wert als Postwertzeichen aufgedruckt. Man kann tatsächlich Briefe und Päckchen mit ihnen frankieren. Jedenfalls in Bhutan. Der Wert variiert von einer viertel Rupie bis zu neun damaligen Bhutan-Rupien. Die hübsche violette Markenplatte für Luftpost kostete zum Beispiel drei Rupien. Die Marke mit der Nationalhymne ist übrigens keinesfalls die teuerste, sondern die billigste: sie war 25 Chetrum wert – nein, nicht „Chatroom“, sondern eine viertel Rupie.

Wer nun also wie ich ein komplettes Set im großen Netz auftreibt und aus irgendeinem Ausland bestellt, der darf seine kleine feine Sammlung klingender Briefmarken auf dem Zollamt abholen und die komplette Belegschaft in die Verzweiflung treiben. Oder Sie beantworten die Frage nach „Schallplatte oder Briefmarke?“ einfach mit „Briefmarke“. Das spart bares Geld und lange Diskussion. In jedem Fall bereichern die sieben Scheiben die heimische Plattensammlung. Und bei passender Gelegenheit darf man es auch mal mit dem Spruch „Darf ich Ihnen einmal meine Briefmarkensammlung vorspielen?“ versuchen. Erfahrungsberichte bitte an den Autor dieses Artikels.

 

 

 

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